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Vortrag über türkisch-europäische Beziehungen

Vortrag über türkisch-europäische Beziehungen

Der Deutsch-Türkische Akademiker Bund zu Göttingen (D-TAB) lud zum Vortrag „Die Türkei und die EU“ ein. Vortragender Gast war Prof. Dr. Ahmet Ünalan (Universität Duisburg-Essen).
Ahmet Ünalan stellte die Chronologie und die Vielschichtigkeit der europäisch-türkischen Beziehungen vor einem interessierten Publikum dar. Er stellte fest, dass der EU- Aufnahmeprozess der Türkei faktisch festgefahren sei. Seit Beginn des Aufnahmeprozesses seien lediglich acht Kapitel behandelt. Nur ein Kapitel sei abgeschlossen. Demokratiedefizite und offensichtliche Missstände im Justizwesen in der Türkei seien ausschlaggebend für die kriselnde Beziehung. Diese seien aber ein Ergebnis der halbherzigen Aufnahmestrategie europäischer Länder. „Mit Beginn des Aufnahmeprozesses ist der Türkei von führenden EU-Ländern – insbesondere Deutschland und Frankreich - signalisiert worden, dass trotz Reformbemühungen eine absehbare EU-Mitgliedschaft nicht möglich ist. Dies hat den Reformprozess in der Türkei geschwächt und die proeuropäische, urbane, junge und gut ausgebildete Mittelschicht der Türkei enttäuscht“.
Der Brexit, die Wirtschaftskrise in Griechenland, der Flüchtlingsstrom in den vergangenen Jahren und die - als überstürzt empfundene – EU-Osterweiterung seien Gründe für die Skepsis der Europäer vor weiteren Aufnahmen. Trotzdem sei die Aufnahme der Türkei unabdingbar für die europäische Sicherheits- und Wirtschaftspolitik. „Die Europäische Union braucht visionäre Politiker, die jenseits aktueller Stimmungen Europa auf die globale Konkurrenz vorbereiten. Europa muss sich entscheiden. Möchten wir einen problematischen Nachbarn oder ein Mitglied, der die demokratischen und rechtstaatlichen Standards Europas erfüllt, Europa dynamisiert und somit Sogwirkung für den nahöstlichen und asiatischen Raum bietet.
Die Türkei braucht eine europäische Perspektive, sofern die demokratische und wirtschaftliche Stabilisierung der Türkei gewünscht wird“. Zeitgleich biete dies Chancen für die Opposition in der Türkei. Der nüchternen und kritischen Analyse folgte am Ende ein Ausblick. Es gebe in den letzten 30 Jahren oft Krisenphasen zwischen der Türkei und der Europäischen Union. Diese seien allerdings schnell überwunden, wenn die Reformbemühungen in der Türkei unterstützt und begleitet wurden.

Von: (Almanya Bülteni) - Göttingen

Benzer Haberler

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