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 17/11/2021

Von Gastarbeitern zu Selbständigen mit Migrationshintergrund

Von Gastarbeitern zu Selbständigen mit Migrationshintergrund

Anlässlich des 60. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei lud die SPD Essen nach ihrem Empfang am 27.10.2021 gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Sozialdemokraten (AGS) am 10.11.2021 zu einer Fachveranstaltung zum Thema der Migrantenökonomie ein; die Moderation übernahm Caner Aver, integrationspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in Essen. Aver verwies auf die fehlende Datenlage über die Migrantenökonomie in Essen hin, die wichtig zur Ermittlung von Herausforderungen und für die Entwicklung von Maßnahmen seien. „Migrantenökonomie ist aus volkswirtschaftlicher, arbeitsmarkt- und integrationspolitischer und städtebaulicher Sicht relevant. Deshalb werden wir als SPD-Ratsfraktion dieses Thema zukünftig verstärkt behandeln“, so Aver. In Essen zählen von insgesamt über 25.000 Unternehmen schätzungsweise 7.000 zur Migrantenökonomie.
Rund 50 Teilnehmende aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Institutionen und Interessierten diskutierten rege um unternehmerische Themen vor allem in der Pandemie und um die Interkulturelle Öffnung von Wirtschaftsinstitutionen.

 

Gesellschaftliche Pluralität ein Reichtum für die Gesellschaft

In seinem Grußwort wies der Gastgebers Mahmut Karapıçak, Inhaber der GTÜ Prüfstelle in Essen Borbek, auf die steigende Rolle im Wirtschaftsleben von Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund hin, die Arbeitsplätze schaffen und wichtige lokale Wirtschaftspartner seien. Er wünsche sich mehr solcher Veranstaltungsformate, um Netzwerke auszubauen und sich gegenseitig besser kennenzulernen.
Nach Frank Müller, Vorsitzender der SPD Essen und MdL, sei die gesellschaftliche Pluralität ein Reichtum für die Gesellschaft. „Viele der ehemaligen Gastarbeiter und deren Nachkommen sind heute Unternehmer*innen und bieten Arbeitsplätze an, zahlen Steuern und bereichern uns mit ihren Angeboten in allen Branchen“, sagte Müller. Es gebe viele Erfolgsgeschichten unter ihnen, das beste Beispiel seien das Unternehmerpaar von Biontech Özlem Türeci und Uğur Şahin, aber auch in Essen gebe es viele auch nicht so populäre erfolgreiche Selbständige mit Migrationshintergrund. Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende der AGS Susanne Kirchhof, die in Zukunft Themen auch um die Migrantenökonomie stärker als bisher in der AG setzen möchte.
Von Gastarbeitern zu Selbständigen mit Migrationshintergrund
860 Tausend Migrantenunternehmen von 4,8 Millionen

Wissenschaftlichen Input lieferte Cem Sentürk, Programmleiter Arbeitsmarktintegration am Zentrum für Türkeistudien in Essen. Demnach zählen von den rund 4,8 Millionen Unternehmen in Deutschland 860.000 zur Migrantenökonomie, von denen 700.000 eine eigene Migrationserfahrung haben; insgesamt haben unter den Selbständigen mit Migrationshintergrund 113.000 polnische und 103.000 türkische Wurzeln, die überwiegend im Handel, Baugewerbe und Dienstleistung engagiert sind.

Anschließend folgten drei Gesprächsrunden zu u.a. Folgen der Pandemie für die Kunst- und Kulturszene mit Kazım Çalışkan vom Katakomben-Theater, Ralf Vogel als Übersetzter und Schriftsteller und Udo Milbret von Ver.di. Die Krise habe u.a. zur Digitalisierung der Szene geführt, die als eines der größten Wirtschaftsfaktoren in dieser Phase am meisten leiden mussten und im Prozess des Ausprobierens neuer Formate öffentlich noch gezielter gefördert werden müsse.

Im nächsten Programmteil diskutierten Markus Pließnig (Leiter Kommunikation und Internationales der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH), Marc Meckle, stellv. Geschäftsführer International, Geschäftsbereich Handel - Dienstleistungen – International der Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen und Mirko Hoffmann (Abteilungsleiter Gewerbekunden Sparkasse) über Themen der Interkulturellen Öffnung der Wirtschaftsinstitutionen wie etwa gezielte Angebote für Gründer*innen und Unternehmen mit Migrationshintergrund, das Engagement von Migrantenunternehmer*innen in der IHK Vollversammlung oder auch über die Fördermittel bzw. Unternehmerkredite im Rahmen der Pandemie, über deren Praxis viele Teilnehmende große Kritik ausübten; insbesondere jene aus der Reise- und Veranstaltungsbranche.

Am Ende stellte der Vorsitzende der IKUA e.V. – Interkulturelle Unternehmer und Akademiker e.V., Erdal Osmancelebioğlu, selbst Bauunternehmer und Gastronom in Rüttenscheid sowie Tülay Koca, Betreiberin eines Hochzeitssaals in Essen und Mitglied beim Business-Netzwerk Migrantinnen ihr Netzwerk als Akteure für Wirtschaftsleben vor.
Im anschließenden Get together waren sich alle Anwesenden über die Fortführung solcher Formate zum Thema einig und bedankten sich bei den Organisatoren.

Von: Almanya Bülteni – Essen

 

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