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Studienstipendium für Fachkräfte mit Berufsausbildung

Tülin Sezgin informierte an der HWR Berlin über die Möglichkeiten des Stipendiums (Foto: Paul Zinken)

Eine Berufsausbildung ist in Deutschland eine gute Grundlage für die Karriere. Fachkräfte, die sich nach der Ausbildung weiter qualifizieren, können interessante Aufgaben übernehmen – natürlich auch mit besserer Bezahlung. Immer mehr Fachkräfte mit Berufsausbildung entscheiden sich zudem, nach einigen Jahren Arbeit in der Praxis noch in ein Studium zu starten – mit oder ohne Abitur.

Genau für diese Berufserfahrenen gibt es eine Studienförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: Das Aufstiegsstipendium unterstützt ein Hochschulstudium bis zum ersten Abschluss. Aktuell gibt es rund 4.500 Stipendiatinnen und Stipendiaten an mehr als 300 Hochschulen in Deutschland. Jedes Jahr können 1.000 neue Stipendien vergeben werden. Der erste Schritt ist eine Online-Bewerbung.

Nach acht Jahren Berufstätigkeit ins Studium gestartet

Eine der Stipendiatinnen ist Tülin Sezgin. Die Berlinerin entschied sich nach ihrem Abitur für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Nach einem Praktikum bewarb sie sich bei einem der größten Hotels Deutschlands und erhielt einen Ausbildungsplatz. „An dem Beruf Hotelfachfrau gefiel mir, dass man später in unterschiedlichen Bereichen arbeiten kann, zum Beispiel an der Rezeption, im Marketing oder auch in der Organisation von Events“, erinnert sich Tülin Sezgin. Sie selbst konnte schon während der Ausbildung im Pressebereich arbeiten und die Social-Media-Seiten des Hotels betreuen.

Nach der Ausbildung arbeitete Tülin Sezgin acht Jahre lang, zuerst an der Rezeption eines renommierten Hotels, dann als Flugbegleiterin und zuletzt in ihrem ehemaligen Ausbildungshotel im Eventmanagement und als Ausbilderin. „Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber ich hatte immer im Hinterkopf, dass ich auch gerne studieren möchte“, sagt sie rückblickend. Im Eventmanagement arbeitete Tülin Sezgin eng mit einer Kulturstiftung zusammen, die vom Bezirksamt Neukölln geleitet wird. Das weckte ihr Interesse an einem Studium der Verwaltungswissenschaften. Von einer ehemaligen Kollegin erhielt sie dann den Tipp zum Aufstiegsstipendium.

Das Stipendium ist mehr als das Geld auf dem Konto

Die dreistufige Bewerbung war für Tülin Sezgin spannend und auch das Auswahlgespräch hat sie in guter Erinnerung: „Im Gespräch ging es wirklich um meine Person. Das war sehr motivierend – selbst wenn ich zum Schluss kein Stipendium bekommen hätte.“ Als dann die Zusage zum Aufstiegsstipendium kam, war das für sie ein großer Ansporn: „Ich wusste, da sind Menschen, die glauben an mich“. Ebenfalls erfolgreich bewarb sich Tülin Sezgin bei der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin um einen Platz im Bachelorstudiengang Öffentliche Verwaltung. Inzwischen studiert sie im sechsten Semester, das Aufstiegsstipendium unterstützt sie dabei: „Das Stipendium ist für mich mehr als das Geld auf dem Konto. Es stärkt den Rücken fürs Studium und auch der Austausch mit den anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten hilft.“ Tülin Sezgin ist aktiv in der Berliner Regionalgruppe der Stipendiatinnen und Stipendiaten, zudem hat sie schon mehrfach Veranstaltungen zum Aufstiegsstipendium unterstützt, etwa die Auswahlgespräche. Ein großes Plus ist für Tülin Sezgin auch die ideelle Förderung des Aufstiegsstipendiums mit vielen interessanten Seminaren: „Ich habe unter anderem an einem Schreibseminar teilgenommen, das ist hilfreich für meine Bachelorarbeit.“

Stipendium auch für ein berufsbegleitendes Studium

Unter den Studienförderungen hat das Aufstiegsstipendium einige Besonderheiten: Voraussetzungen für eine Bewerbung sind eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung. Auch wer schon viele Jahre im Arbeitsleben steht, kann sich bewerben. Nach der Aufnahme ins Stipendium ist ein Jahr Zeit, mit dem Studium zu beginnen - das gibt Berufstätigen Planungssicherheit. Wer bereits studiert, kann sich bis zum zweiten Semester bewerben.

Für ein Vollzeitstudium beträgt die Förderung monatlich insgesamt 815 Euro, für jedes Kind unter 10 Jahren ist zusätzlich ein Betreuungszuschuss von 130 Euro möglich. Für ein berufsbegleitendes Studium gibt es 2.400 Euro im Jahr. Das Stipendium ist eine Pauschale, unabhängig vom Einkommen.

Weitere Informationen: www.aufstiegsstipendium.de


Von: Andreas van Nahl – (Almanya Bülteni)
Titelfoto: Paul Zinken "Tülin Sezgin informierte an der HWR Berlin über die Möglichkeiten des Stipendiums"

Benzer Haberler

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