Söyleşi

Integration regelrecht zugeschnitten

Über Integration wird viel diskutiert, geschrieben und geredet. Im Folgenden möchten wir nun ein Interview mit einer Person vorstellen, auf den das Wort Integration regelrecht zugeschnitten ist.

„Mit Steinen, die dir auf den Weg gelegt werden, kannst du dir auch was Schönes bauen“ – genau dies tat Ismail Tekin, Geschäftsführer von Pizza Boy Essen und schaffte es vom Gastarbeiterkind bis zum Geschäftsführer. Sprachliche Hürden, Umschulungen und langjährige Mühen in der Arbeitswelt hielten ihn nicht davon ab, weiter an seinen Zielen festzuhalten, darauf hin zu arbeiten und seine jetzige Position und Status in der Gesellschaft zu erreichen und auszubauen.

Als erfolgreicher Arbeitgeber engagiert er sich nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch im sozialen Bereich und betont die Bedeutung von ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Herr Tekin, erzählen Sie uns etwas über sich. Wann und wo sind Sie geboren?

Ich bin 1964 in Amasya geboren, also in der nordanatolischen Türkei. Ende 1975 bin ich nach Deutschland gekommen, meine Mutter war bereits als Gastarbeiterin hier. Zunächst ist mein Bruder nachgezogen und ich letztlich dann auch und bin dann in Bad Honnef aufgewachsen.

Wie verlief ihr schulischer Werdegang in Deutschland?

Ich habe die Grundschule in der Türkei besucht und bin dann hier in Deutschland ab der 5. Klasse weiter zur Schule gegangen. In Bad Honnef bin ich auf die Gesamtschule gegangen, die ich dann mit der Fachoberschulreife abgeschlossen habe.

Der Übergang in eine deutsche Schule nach der Migration nach Deutschland war sehr schwer für mich, da ich die Sprache nicht beherrschte. Damals gab es noch keine Sprach- und Förderprogramme, so wie es heute üblich ist. Ich wurde also in die Klasse aufgenommen und saß da einfach, ohne denn auch nur ein Wort zu verstehen. Ich wurde ich ein wenig ins kalte Wasser geschmissen und somit war es zu Beginn fürchterlich für mich.

Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Elektroinstallateur begonnen, jedoch nicht abgeschlossen. Mir hat es einfach nicht gefallen und ich wollte schon immer in die Gastronomie, statt Löcher zu bohren und bei Wind und Wetter Kabel zu binden.

Deshalb habe ich beschlossen, eine Umschulung zum Restaurantfachmann zu absolvieren, die ich dann auch abgeschlossen habe. Durch eine weitere Fortbildung bin ich dann „Fachmann für Systemgastronomie“ geworden und habe dann eine Ausbildereignungsprüfung bei der IHK absolviert, um auch Menschen zum Fachmann oder zur Fachfrau zur Systemgastronomie auszubilden.

Wie gelang denn ihre Integration in Deutschland?

Da hatte ich großes Glück, dass ich einen Sitznachbarn in der Klasse hatte, der aufgrund seiner familiären Situation eine pädagogische Ader besaß. Mit ihm habe ich mich dann befreundet und war nach der Schule meistens mit ihm unterwegs, z.B. haben wir oft Fußball gespielt oder auch andere Aktivitäten unternommen. Das hat mir insgesamt sehr geholfen und nach 5 bis 6 Monaten war zumindest die sprachliche Integration geglückt.

Kommen wir zu ihren unternehmerischen Seite. Seit wann sind Sie Unternehmer?

Seit dem Jahr 2004.

Warum haben Sie beschlossen Unternehmer zu werden? Was hat Sie motiviert?

Ich habe jahrelang als Angestellter gearbeitet, bis ich festgestellt habe, dass ich meine Erfahrung und meine fachlichen Kenntnisse für mich selbst nutzen kann und auch will. 1997 war ich bereits bei pizzaboy als Filialleiter in Leverkusen angestellt, kam aber nach sehr kurzer Zeit in die Führungsetage und habe auch bei den Konzepten einen wesentlichen Anteil gehabt, um die Kette pizzaboy zu professionalisieren.

Meine Motivation war, den Kundenansprüchen gerecht zu werden. Ich wollte meine Kompetenzen in fachlicher und unternehmerischer Hinsicht kombinieren und das ist mir bis jetzt ganz gut gelungen.

Wie viele Arbeitnehmer beschäftigen Sie? Bilden Sie auch aus?

Die Anzahl schwankt immer zwischen 45 und 55. Darunter sind Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte, aber auch die Minijobber gehören dazu.

Der Essener Betrieb von pizzaboy ist der einzige von insgesamt zwanzig, indem auch ausgebildet werden darf. Ich habe zum einen die Eignungsprüfung absolviert und zum anderen ist der Betrieb hier ebenfalls auf die Eignung geprüft, ob potenzielle Auszubildende sich hinreichend entwickeln können.

Hier bilden wir Fachmänner / Fachfrauen für Systemgastronomie in 3 Jahren aus, in denen auch der kaufmännische Bereich integriert ist. Zudem bilden wir Fachkräfte für Systemgastronomie aus, d.h. ohne den kaufmännischen Teil, die 2 Jahre andauert. Momentan haben wir 2 Auszubildende im Betrieb, in der Vergangenheit haben wir auch viele andere ausgebildet.

Welche Kompetenzen muss ein Unternehmer Ihres Erachtens in jedem Falle aufweisen?

Das Wichtigste ist, dass man zielstrebig und diszipliniert sein muss. Ohne diese beiden Aspekte geht es nicht.

Welche Hürden haben potenzielle Unternehmer zu erwarten? Ist es schwerer geworden, ein Unternehmen zu gründen?

Es ist nicht unbedingt schwerer geworden, ein Unternehmen zu gründen. Vielmehr liegt die Schwierigkeit heute darin, dass Unternehmen am Leben zu erhalten. Der Markt ist sehr umworben und immer mehr Unternehmer, Selbständige, Firmen wollen ein Stück vom Kuchen.

Um erfolgreich bleiben zu können, muss man eine ganz klare Systematik in unserer Branche haben. Die Qualität muss beibehalten werden, der Service darf nicht einbrechen, die Wiedererkennung der Marke muss vorhanden sein.

Was würden Sie den Unternehmern von morgen als Tipp mitgeben?

Wenn man mich heute fragen würde, ob ich ein Unternehmen neu gründen wollen würde, hätte ich dies verneint. Es ist zu anstrengend geworden und das in jeglicher Hinsicht. Zum Beispiel der Umgang mit Mitarbeitern: Viele sind nur schwer zu motivieren, ihre Ansprüche sind extrem gestiegen, viele wollen wenig leisten und mehr Freizeit und Geld haben. Als Vergleich: In der Türkei sind die Leute in der Gastronomie viel motivierter, schwung- und elanvoll, während ich hier die Mitarbeiter regelrecht anschieben muss, damit sie Leistung bringen – das ärgert mich.

Herr Tekin, Sie engagieren sich auch sozial? Was sind Ihre Beweggründe?

Ich bin in einem Eishockeyclub ehrenamtlich tätig, nämlich bei ESC Wohnbau Moskitos Essen. Ein Club mit Tradition. Dort bin ich im geschäftsführenden Vorstand als Schatzmeister aktiv, d.h. also, dass ich für die Finanzen zuständig bin. Ich liebe Eishockey sehr und hatte auch vor meiner aktiven Zeit im Vorstandsbereich ein gutes Verhältnis zu selbigem. Als man mich dann gefragt hatte, ob ich den neuen Vorstand mit meinem know how unterstützen würde, konnte ich nicht nein sagen. Im Mai 2015 wurde ich zusammen mit dem Vorstand dann für 2 Jahre gewählt. Und der Bezug zum Club war schon immer vorhanden, da ich über Jahre hinweg Sponsor gewesen bin.

Warum sollten sich auch andere Unternehmer sozial engagieren? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich finde, dass die soziale Bindung zum Umfeld nicht fehlen darf. Es ist sehr wichtig, dass man einem hilft, da es Freude bereitet. Bei den Moskitos erhalte ich kein Geld und helfe dem Verein, somit bleibt der Sport erhalten. Die vielen Jugendlichen allen voran profitieren somit auch und dahingehend sollten sich alle eigentlich engagieren. Das ist sicherlich jedem selbst überlassen, aber ich freue mich immer, wenn ich sehe, dass man sich in der Gesellschaft generell gegenseitig hilft, das finde ich super und daran sollte man anknüpfen.

Von: (Almanya Bülteni) – Essen

Benzer Haberler

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