„Nie darf man pauschalisieren“

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Esra Güner

Es war schon erschreckend, was am vergangenen Sonntag in diversen Medien zu lesen war: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntagstimmt die Mehrheit der Deutschen mit Sarrazins Äußerung überein. Demnach unterstützen rund 51 Prozent der Befragten Sarrazins Aussage, ein Großteil der arabischen und türkischen Einwanderer sei weder integrationswillig noch -fähig.

Schon lange ist der Politiker Thilo Sarrazin mit provokanten Äußerungen aufgefallen. Doch diesmal ging das Vorstandsmitglied der Bundesbank in dem Interview mit der Zeitschrift „Lettre International“ eindeutig zu weit. Ich bin selbst Türkin und fühle mich mit Sarrazins Äußerung angegriffen. Auch, wenn ich weder in Berlin lebe noch der Unterschicht angehöre: Nie darf man pauschalisieren!

Natürlich gibt es Probleme mit der Zuwanderung in Deutschland. Allerdings können diese nicht behoben werden, wenn Politiker wie Sarrazin Araber und Türken mit beleidigenden Äußerungen angreifen. Ein Beispiel ist die sehr provokante Aussage, man müsse niemanden anerkennen, „der ständig Kopftuchmädchen“ produziert. Genauso Sarrazins Behauptung, die Türken eroberten Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert hätten: durch eine höhere Geburtenrate. Bewusst stellt Sarazzin dabei die türkische Bevölkerung in Deutschland als eine Gefahr dar, vor der sich Deutsche schützen müssen. Und natürlich als eine Gruppe, die alles Andere möchte als sich zu integrieren.

Wovon Sarazzin offensichtlich nichts weiß: Zur Integration gehören immer beide Seiten. Aber wenn Deutsche schon im Vorhinein das Vorurteil haben, dass Araber und Türken -um es mit Sarrazins Worten zu sagen- „keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel“ haben, finde ich das sehr traurig. Denn in Wahrheit stellt Sarrazin mit seinen Äußerungen eher Mutmaßungen an, statt sich auf Fakten zu stützen. Nach Angaben des Türkischen Bunds Berlin-Brandenburg gibt es in Berlin neben 80 türkischstämmigen Ärzten und 70 türkischen Anwälten viele erfolgreiche Politiker mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus existierten laut Türkisch-Deutscher Unternehmervereinigung Berlin-Brandenburg im Jahr 2008 schätzungsweise über 9000 kleine und mittelständische Betriebe türkischer Herkunft in Berlin, die ca. 29.000 Mitarbeiter beschäftigen. Aber davon wollten die 51 % natürlich nichts wissen.

Ich hatte eigentlich nicht vor, in Zukunft einen Obst- und Gemüseladen aufzumachen, aber anscheinend trauen mir als Türkin die meisten auch noch heute nichts „Höheres“ zu. Wirklich sehr schade. Nicht, dass Sarrazin dieses Interview gegeben hat, sollte zu bedenken geben. Sondern die Tatsache, dass ihm anscheinend die Mehrheit Recht gibt!

 

Esra Güner

 

 

 
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